Das Urteil des BVG zu Beihilfe zum Suizid

30. Apr 2020

Stellungnahme von HospizVerein Bergstraße e.V. und Hospiz Bergstraße zur Entscheidung des BVG vom 26.02.2020: Beihilfe zum Suizid

Die Hospizbewegung versteht das Sterben als wichtigen Teil des Lebens und wird sich auch weiterhin nicht an der Tötung von Patientinnen/Patienten beteiligen. In der hospizlichen Begleitung wird das Sterben zugelassen, aber weder beschleunigt noch herbeigeführt – weder durch ein Töten auf Verlangen noch durch Beihilfe zum Suizid. Unser Ziel ist und bleibt es, Leidenden nicht das Leben zu nehmen, sondern ihr Leiden zu lindern. Wir wollen dem Wunsch nach (Selbst-)Tötung durch palliative Pflege und einfühlsame Begleitung begegnen bzw. zuvor kommen.


In Würde leben bis zuletzt

Ursächlich für den Wunsch nach einer vorzeitigen Beendigung des Lebens ist häufig die Angst vor Schmerzen und anderen Beschwerden wie z.B. Atemnot. Durch eine umfassende palliativpflegerische und -medizinische Therapie gelingt es in den allermeisten Fällen, eine deutliche Linderung der körperlichen Beschwerden zu erreichen.

Hinter dem Suizidbegehren kann auch die Angst vor Einsamkeit stehen oder davor, von Anderen abhängig zu sein oder Angehörigen zur Last zu fallen. Eine zugewandte Begleitung berücksichtigt psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Praktisch bedeutet dies: Wir sind für Betroffene da, wir lassen sie nicht allein, sondern nehmen alle Sorgen ernst und unterstützen auch Angehörige nach Kräften. Unsere Erfahrung ist, dass sich schwerstkranke und sterbende Menschen dadurch bis zuletzt als selbstbestimmt erleben und ihre Würde gewahrt sehen. 


Angemessene Rahmenbedingungen für ein Sterben in Würde

Unser hospizlich geprägtes Menschenbild geht davon aus, dass der Mensch einen Wert an sich hat – unverfügbare Würde - unabhängig von allem, was er im sozialen Leben ist, leistet oder tut. Wir haben die große Sorge, dass die organisierte Sterbehilfe zu einer gesellschaftlichen Normalisierung der Suizidhilfe führt und sterbenskranke Menschen sich gedrängt fühlen, ihr Leben aktiv zu beenden. In ihrer besonderen Verletzlichkeit brauchen sie FürSorge im besten Sinne, zu der auch ein Einstellungswandel der Gesellschaft nötig ist.

Wir setzen uns daher für angemessene Rahmenbedingungen ein, die ein Sterben in Würde ermöglichen:  

• Aufklärung über bestehende Möglichkeiten der Palliativversorgung

• Stärkung und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung 

• Entwicklung einer umfassenden Sorgekultur

• Schaffung gesetzlicher Regelungen, die den möglichen Gefahren organisierter Sterbehilfe begegnen.


In diesem Sinne unterstützen wir die Position des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV).

Sterbehilfe

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